Auf dem Weg nach Südosteuropa lohnt das Zweimillionen-Einwohner Land einen Besuch

In Slowenien sind alle guten Dinge drei

Das Essen, die Atmosphäre und Architektur romanisch, die Ordnung, Strebsamkeit und Professionalität germanisch und die Gelassenheit, Gemeinschaft und Gastfreundschaft slawisch: so könnte man nach einer kurzen, intensiven Zeit das kleine Slowenien beschreiben. Natürlich greift das zu kurz, aber es ist schon etwas dran, wenn die Menschen sich in ihren gut gebauten Häusern die Wärme nicht nur aus dem Kamin holen, sondern aus intensiven Gesprächen mit ihren Nachbarn und Gästen und das bei einem hervorragenden slowenischen Wein. Von Katarzyna und Jan Opielka.

Es ist kaum zu glauben, dass ein so kleines Land, das ungefähr die Größe Hessens hat, so vielfältig und sehenswert ist. Es lohnt aber durchaus, das neue EU-Mitgliedsland genauer unter die Lupe zu nehmen, gerade jetzt, da die Europäische Union um zehn Länder mit neuen Sprachen, vielfältiger Kultur, erstaunlichen Traditionen und atemberaubenden Landschaften bereichert wird. Schon das nördliche Einfallstor Sloweniens über den Karawankentunnel begrüßt die Besucher in Form imposanter Alpenketten, aber auch mit sozialistischen Bausünden, die hier und da neben schwarzen Industrieflecken entstanden waren und die „realsozialistische“ Vergangenheit widerspiegeln. Jugoslawien war als blockfreier Staat wohlhabender als die Ostblockstaaten, und Slowenien erwirtschaftete mit seinen Industrien das Gro des Inlandsproduktes. Nach dem Erlangen der Unabhängigkeit im Jahr 1991 konnte es sich wirtschaftlich stabilisieren und politisch an die EU binden. Wirtschaftlich spielt der Tourismus eine durchaus bedeutende Rolle.

Touristische Perlen

Slowenien bietet alles, das kann man sehr wohl behaupten. Das grüne Land vereinnahmt die Vielfalt der Alpen, die Wärme des Mittelmeers, weite Ebenen, uralte Dörfer, mittelalterliche Burgen und Städte. Bei einer kurzen Reisezeit sollte man aber nicht alles sehen wollen, sondern sich mit den ausgesuchten Orten und Sehenswürdigkeiten intensiver auseinandersetzen. So ist der Nordwesten des Landes mit dem Soèatal und dem Triglav-Nationalpark eine Perle, die einen Besuch lohnt.

Man würde nie glauben, dass Wasser eine derart intensiv smaragdgrüne Farbe haben kann, wenn man es nicht mit den eigenen Augen gesehen hat. In der Region um den Fluss Soèa kann man eben dieses großartige Farbenspiel der Natur entdecken. In Sommerfarben gehüllte Berge umschlingen den smaragdgrünen, eiskalten Fluss Soèa. Alternative Touristen, die das Land sanft erkunden - Kanufreaks, Gleitschirmenthusiasten, Raftingverrückte oder Wandersüchtige - sie alle tragen zu einer entspannten Atmosphäre bei dem Naturgenuss dieser Region bei. Das Örtchen Kobarid am Rande des Triglav Nationalparks ist ein geeigneter Ausgangsort zur Erkundung sowohl von Naturschätzen als auch von geschichtlichen Ereignissen der Region. So präsentiert etwa das Kobrider Geschichtsmuseum das Geschehen im Ersten Weltkrieg, als dort die größte militärische Schlacht in einer Bergregion stattfand - die Isonzoschlacht. An Sommerabenden kann man bei angenehmen Temperaturen Fischspezialitäten und andere typische mediterrane Speisen genießen, für die diese Region bekannt ist. Der einzige Nationalpark Sloweniens, der Triglav, kann auf mindestens zweierlei Arten erkundet werden. Hat man viel Zeit und Muße, so bieten sich ausge-dehnte Wanderungen in das mächtige Alpengebirge an, ein Kurzbesuch des Triglav-Museums „Dom Trenta“ ermöglicht es, einen kurzen, aber liebevoll detaillierten Einblick in die Vielfalt dieses Parks zu gewinnen.

Küste zu vermeiden

Ganz im Gegenteil zum Landesinneren ist der Besuch der Küstenregion weniger zu empfehlen. Durch die Tatsache, dass die slowenische Küste nur etwa 45 km lang ist, drängen sich Industrie und Massentourismus auf sehr engem Raum. Das Ergebnis sind schmutzige und überlaufene Strände, Orte, die nur gegen eine Gebühr befahren werden können, oder der Ausblick auf Industrieanlagen. Nichtsdestotrotz ist ein kurzer Besuch der Industrie- und Unistadt Koper empfehlenswert, da die Altstadt ein Mittelmeer-Ambiente bietet und einen Hauch der einstigen Bedeutung dieser Hafenstadt vermittelt.

Gänzlich anders sieht es in der Hauptstadt Ljubljana aus. Mit etwa 300 000 Einwohnern wirtschaftliches, kulturelles und politisches Zentrum des Landes, ist es klein aber fein. Am Fluss Ljubljanica gelegen, ist vor allem die Altstadt eine architektonische Reise nach Italien und Österreich. Auch die geographische Lage von Ljubljana spielte in der Geschichte eine sehr bedeutende Rolle. Über die „Pforte von Ljubljana“ - den natürlichen Übergang von Mitteleuropa zum Mittelmeerraum, zum Balkan und weiter nach Osten - verliefen die Wanderungen zahlreicher Völker.

Individuell, sanft und professionell

Insgesamt ist die Atmosphäre, die den Besucher dieses kleinen Landes umgibt, eine sehr entspannte. Der recht große Wohlstand, den die Slowenen erwirtschaftet haben, wird von vielen Einheimischen sehr gelassen angenommen und genossen. Touristisch gesehen setzen die Slowenen in erster Linie auf individuellen und sanften Tourismus - und machen dies höchst professionell. Nicht zuletzt auch die kurze Entfernung von Marburg nach Slowenien sind es etwa 900 km - ist Grund zum Besuch dieses Sammelbeckens von hauptsächlich drei kulturellen Strömungen, die dennoch eine Eigenheit innehaben.

Allgemeine Sehenswürdigkeiten:

  • Museum Korabid Geschichte des Ortes Kobarid von der Urgeschichte bis heute, zudem detaillierte Darstellung der größten Bergschlacht des ersten Weltkrieges (Isonzoschlacht)
  • Nationalpark Triglav + Besucherzentrum „Dom Trenta“. Infos: Tel.: 00 386 (0) 4589 1035
  • Ljubljana - u. a. Presernov trg; historischer Marktplatz inmitten der Altstadt mit den berühmten Drei Brücken (Tromostovje); zweistündige Stadtführung empfehlenswert

Infos zu Slowenien in Deutschland:

Slowenisches Fremdenverkehrsamt München
Tel.: 0 89 / 29 16 12 02
Slowenisches Fremdenverkehrsamt München

Übernachtungsmöglichkeit in Korabid:

Hotel Hvala - günstige Zimmer und ausgezeichnetes, auf Fisch und mediterrane Kost spezialisiertes Restaurant

EXKURS: Agro-Tourismus in Slowenien

Agro-Tourismus ist ein so genannter Softtourismus, der ihn letzter Zeit immer populärer wird. Der Agro-Tourismus ist vor allem bekannt auf den touristischen Märkten Europas und der USA. Es ist eine Form vom Dorftourismus, sehr strikt verbunden mit Landwirtschaft und mit funktionierenden Bauernhöfen. Ackerbau und Tierzucht bilden eine der Attraktionen des Agro-Tourismus. Es haben sich verschiedene touristische Produkte entwickelt, bei denen man den Produktionsprozess von A-Z nachverfolgen und natürlich die Produkte erwerben oder sogar mitproduzieren kann. Man fühlt die Atmosphäre des dörflichen Lebens und lebt quasi mit den Bauern zusammen. Es bedeutet also einerseits eine zusätzliche Einnahmequelle für die Landwirte, deren Lage vor allem in den industrialisierten Ländern Europas schwieriger wird. Andererseits ist es eine willkommene Abwechslung vor allem für Stadtbewohner, die vom städtischen Trubel loskommen wollen - zumindest für einige Tage und Nächte.

Ähnlich sieht es auch im slowenischen Dorf Narin aus, etwa 80 km südwestlich von Ljubljana. Zahlreiche Familien des Dorfes nehmen an einem staatlichen Programm (CRPOV) teil, das Landwirte und ihre Familien fördert. Der Staat bezuschusst den Bau von Gästehäusern, finanziert und organisiert Fortbildungen im touristischen Bereich, gibt Unterstützung bei Antragstellungen und hilft beim Knüpfen eines größeren Netzwerkes. Etwa zehn Familien haben sich dem Programm allein im Dorf Narin angeschlossen, allesamt Landwirte, welche die Chance nutzen wollen, sich beruflich umzustellen und sich neue Tätigkeiten anzueignen. Es ist erstaunlich, wie viele Menschen den Mut haben, so große Investitionen zu tätigen und die Chancen sehen, in einer für sie bislang unbekannten Branche neu anzufangen. Bemerkenswert ist auch, dass diese „Tourismuslandwirte“ einerseits sehr professionell und nach marktwirtschaftlichen Prinzipien handeln, andererseits im Dorf Narin sich die Menschen gegenseitig helfen, obwohl jeder für sich einen eigenen Betrieb hat.

Im Haus Francinovi etwa leben drei Generationen und arbeiten die Älteren mit den Jüngeren zusammen. Die Großmutter macht nach alten Rezepten eigenen Käse, Wurst, Apfelsaft sowie selbstgebackenes Brot und Kuchen. Den Unterschied schmeckt man sofort, nach einigen Tagen einer solchen Kost möchte man gar nicht mehr zur üblichen Ernährung zurückkehren. Der Großvater kümmert sich um das Feld - und den kleinen Enkelsohn. Die junge Ehefrau und Mutter kümmert sich vor allem um die Gäste und um administrative Dinge, hier kann sie ihre Marketingkenntnisse aus ihrem Studium sowie ihre Sprachkenntnisse nutzen. Der Ehemann wiederum ist der verantwortliche Landwirt und sorgt ebenfalls für alle technischen und baulichen Dinge. Da viele der Gäste - übrigens fast alle aus dem Ausland mit Kindern kommen, plant die Familie die Einrichtung eines Gartens mit Tieren, mit denen die Kinder spielen können. Die Zimmer sind trotz ihrer hervorragenden Ausstattung und Qualität relativ günstig.

Noch ein Stück umfangreicher ist die Bewirtung beim Haus Andrejevih. Hier hat das Projekt des Dorfes angefangen, wobei die Familie noch vor dem Start des Programms Erfahrungen im touristischen Bereich gesammelt hat. Auch hier hilft die gesamte Familie mit, ihr Haus ist wohl das Paradebeispiel, wie man eine solche Unternehmung führen und gleichzeitig mit einem gewissen Spirit füllen kann. Die Frau des Hauses, Mojca Zelko, kocht für die Gäste in einem tollen Ambiente und zwar Köstlichkeiten nach alten Rezepten ihrer Großmutter. Die beiden Töchter kümmern sich professionell und persönlich um die Gäste. Familie Zelko spricht sehr gut Fremdsprachen und nutzt diese in persönlichen Gesprächen, die aber ganz natürlich entstehen. „Wenn etwas funktionieren soll, dann muss man etwas Ungewöhnliches tun, um besonders zu sein und sich vom Durchschnitt abzusetzen. Vor allem muss man sich dafür mit ganzer Kraft einsetzen“, betont sie im Gespräch nach einem arbeitsreichen Tag. Besonders leidenschaftlich erzählt sie uns von drei Familien, die, aus unterschiedlichen Ländern stammend, einmal zur gleichen Zeit bei ihr waren. „Obwohl die Kinder nicht die gleiche Sprache sprachen, haben sie sich doch verstanden und gemeinsam gespielt und auch die Eltern waren in Ihrer Freude darüber miteinander ins Gespräch gekommen.“

Den Aufenthalt kann man auch durch Besuche der nahen Umgebung bereichern. Sei es die Burg Predjamski Grad, die vor über 500 Jahren raffiniert in einen Felsen hineingebaut wurde, die Höhlen Postojnska Jama oder die Scocjanske Jame mit einem kleinen, aber feinen Naturlehrpfad, bei dem kleinste Details der Natur und der menschlichen Schaffenskraft plötzlich an Bedeutung gewinnen. In einer knapp einstündigen Tour erlebt man die Reichtümer der Natur, etwa den See Cerknisko Jezero, der, in einem Karstgebiet gelegen, im Sommer kein Wasser führt, um sich auf wundersame Weise im Herbst mit Wasser zu füllen. Nicht weit weg sind zudem die Weinberge des Gebietes, die aufgrund der schweren Böden einen ganz besonderen Tropfen hervorbringen - den Teran. Die Region protzt nicht mit ihren Schätzen, umso interessanter ist es, sie zu entdecken.

Das Dorf Narin, mit seinen Einwohnern, Gästehäusern und seiner Umgebung, ist eine agrotouristische Perle, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt. Taucht man aber in dieses ländliche Ambiente ein, entdeckt man ursprüngliches Leben gepaart mit modernem Denken. Die Besonderheit, die auch wir gespürt haben, lockt Besucher aus aller Welt an.

Info:

KOMPAS POSTOJNA
Turistièna Agencija
Titov trg 2a
6230 Postojna
Telefon: 00386 5 72 11 480
Telefax: 00386 5 72 11 487

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Zuletzt aktualisiert: 2004-11-26 15:51