Das Neumitglied der EU bietet seinen Studierenden Recht gute Bedingungen

In Slowenien zu studieren ist naheliegend

Das kleine südeuropäische Slowenien überrascht nicht nur wegen seiner glänzenden wirtschaftlichen Entwicklung. Auch in der Bildungspolitik setzt die Zwei-Millionen-Einwohner Republik deutliche Zeichen. Durch die Bedingungen an den Hochschulen ist ein Studium in Slowenien sowohl für slowenische als auch für ausländische Studierende überaus naheliegend. Von Marburg aus geht es besonders gut in der slowenischen Partner-Uni Maribor. Von Jan Opielka

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung liegen mit 1,57 % am Gesamt-BIP zwar etwas unter dem Schnitt der alten 15 EU-Mitglieder, sind jedoch bei weitem die höchsten aller weiteren neun EU-Neumitglieder. In Slowenien gibt es, neben zahlreichen Fachhochschulen, insgesamt drei Universitäten: Die Universität in Ljubljana, die Universität Maribor (Partneruniversität der Uni Marburg) und die kleinere Universität der Küstenregion in Koper. Die Zahl der Hochschulstudierenden hat sich seit Anfang der Neunziger Jahre bis heute nahezu verdoppelt. Die größte, im Jahre 1919 gegründete Uni liegt in der Hauptstadt Ljubljana und hat knapp 56 Tausend Studierende an insgesamt 27 Fakultäten, den dazugehörigen Akademien und Berufskollegs. Die zweitgrößte Universität in Maribor - zu deutsch Marburg wurde 1975 gegründet und umfasst neun Fakultäten mit mehr als 24 Tsd. Studierenden. Die etwa 100 Tausend Einwohner zählende Industriestadt Maribor ist Partnerstadt Marburgs, ebenfalls sind es die beiden Universitäten bereits seit dem Jahr 1982 durch eine bilaterale Vereinbarung. Dieser Kontakt äußert sich vor allem im Wissenschaftleraustausch sowie einer Kooperation in den Sokrates- und Erasmus-Programmen der EU.

Auslandsstudium in Slowenien

Neun Austauschstudierende aller slowenischen Hochschulen waren im Wintersemester 2003/04 in Marburg eingeschrieben, umgekehrt sieht die Bilanz aber nicht ganz so gut aus. Dennoch, allein in diesem Jahr waren etwa 220 ausländische Studierende an der Mariborer Uni eingeschrieben, die meisten von Ihnen an der Wirtschaftsfakultät. "Hier werden sehr viele Kurse, vor allem International Business, in Englisch gehalten. In anderen Fakultäten gibt es zudem die Möglichkeit, in einer Kleingruppe durch den Professor in Englisch betreut zu werden", erläutert Mladen Kraljic. Der Slowene ist Leiter des Büros für internationale Beziehungen an der Mariborer Universität. In Deutschland geboren, ist er 1990 nach Slowenien gezogen, um hier "etwas zu bewegen", wie er selber sagt. "Neben den Sokrates- und Erasmus-Programmen, in deren Rahmen im letzten Jahr etwa 60 Studierende an unsere Uni kamen, haben wir auch Programme, die letztes Jahr etwa 40 Studierende aus Mitteleuropa zu uns führten - Tendenz steigend. Außerdem gibt es etwa 120 Studierende aus den ehemaligen jugoslawischen Republiken, die hier zumeist ihr gesamtes Studium absolvieren", fügt Kraljic hinzu. Die Mariborer Studenten zieht es ebenfalls ins Ausland: allein in den Sokrates- bzw. Erasmus-Programmen, die mit einem Studiengebührenerlass sowie einem kleinen monatlichem Zuschuss verbunden sind, nutzen 128 Studierende in diesem und voraussichtlich 170 im nächsten Jahr die Gelegenheit eines Auslands-aufenthaltes, vorwiegend in Deutschland und in Österreich.

Kein Nachteil für ausländische Studierende in Slowenien ist die im Vergleich mit Marburg eher noch geringe Zahl an ausländischen MitkommilitonInnen: gerade dadurch wird der Kontakt mit slowenischen Studierenden erleichtert und die Gelegenheit gegeben, sich intensiver mit der slowenischen Lebens- und Studienweise sowie mit den Besonderheiten und auch Chancen des Mitgliedstaates der EU auseinander zusetzen. Man hat nicht so sehr die Wahl des vermeintlich "einfacheren Weges", der sich darin äußert, sich überwiegend mit Kommilitonen gleicher Nationalität zu umgeben. Die Slowenen seien gegenüber Ausländern sogar offener als gegenüber eigenen Landsleuten, meint eine junge Slowenin, die im hessischen Marburg ein Austauschjahr macht.

Akademisch oder aber berufsorientiert

An den Universitäten gibt es einerseits die akademischen und andererseits die berufsorientierten Programme. Erstere sind an Studierende gerichtet, die hochqualifizierte Berufe in der akademischen Forschung anstreben, letztere an diejenigen, die sich an sonstigen hochqualifizierten Berufen orientieren. Die akademischen Studien dauern meist vier bis sechs Jahre. Ähnlich wie auch in Deutschland besteht das Studium aus Vorlesungen und Seminaren, die jeweils am Ende des Semesters mündlich oder schriftlich abgeprüft werden. Das Studium ist grundsätzlich kostenlos, aber: "Es kann auch passieren, dass man von der Uni geschmissen wird, wenn man sich nicht im Zeitrahmen halten kann. Dieses lässt sich vermeiden, wenn man für die Verlängerung seines Studiums bezahlt", meint Jan Orsic, Student der Medienwissenschaften an der Ljubljanaer Universität. Eine Art "Langzeitstudiengebühren" also, die aber schneller greifen. Dieses bestätigt auch Krajlic: "Man kann nicht ewig studieren, ein Jahr darf wiederholt werden, wenn dafür gerechtfertigte Gründe vorliegen, danach müssen die Studierenden üblicherweise selbst bezahlen."

Ähnlich wie in Deutschland arbeiten viele Studierende neben dem Studium oder in den Semesterferien im Sommer. "Es gibt viele Möglichkeiten und die Arbeitgeber stellen gerne Studierende ein, da sie günstiger sind", meint Martina Stegovic. Sie studiert Übersetzungen und macht gerade ein interessantes und bezahltes Praktikum im slowenischen Innenministerium in Ljubljana. In Ljubljana ist die Fakultät für Ökonomie im übrigen die größte, aber auch die Sozialwissenschaften spielen mit 4000 Studierenden allein in der Hauptstadt eine gewichtige Rolle.

Nahe liegend ist in dem Land, das etwa so groß wie Hessen ist, auch geographisch fast alles. Die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut und die Entfernungen lassen sich per Auto, Bus oder Bahn recht leicht überwinden. Zudem bietet das Land kulturell wie auch touristisch eine große Bandbreite an Sehens- und Erlebenswertem, die Preise sind in sehr vielen Bereichen ähnlich wie in Deutschland.

Eine reizvolle Alternative zu den üblichen Auslandszielen bietet Slowenien allemal, sowohl was das Studienangebot betrifft als auch das Land an sich, das durch seine vielfältigen, vor allem österreichisch-deutschen, italienischen und slawischen Einflüsse eine ganz eigenwillige, doch sehr offene Gesellschaft und Lebensweise hervorgebracht hat.

Informationen zu Studienmöglichkeiten in Slowenien finden sich auf den Homepages der Unis Maribor und Ljubljana

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Zuletzt aktualisiert: 2004-11-26 15:46