Der Fotokünstler Dani H. Danieli im Gespräch mit Uni.schaft

Fotografie als neue Kunstform

Schon als Kind begann der im israelischen Tivon geborene Dani Danieli, sich für die Fotografie zu interessieren - auch wenn seine Kamera damals natürlich noch wesentlich kleiner war. Als geradezu logische Konsequenz studierte er später Fototechnik und Fotografie an der Technischen Universität in Haifa und gehörte zu den Pionieren, die bei der für ihre Grafik- und Video-bearbeitungsprogramme berühmt gewordenen Softwareschmiede Adobe Filter und Masken entwickelten. Die dort gewonnenen Erfahrungen möchte Danieli nicht missen: „In dieser Zeit habe ich viele wertvolle und hilfreiche Techniken erlernen können und später meine eigene Technik, Fotos zu bearbeiten, entwickelt.“ Seine Werke waren in der Folgezeit bei mehreren Ausstellungen in Israel, aber auch als große Foto-Wandgemälde in namhaften Hotels zu sehen.

Allerdings war es auch gerade diese Art der „Fotogemälde“, die ihn nach diesem erfolgreichen Beginn zu einer künstlerischen Pause und seinem damit verbundenen Umzug nach Berlin veranlassten. „Maler konnten meine Werke nicht als ‚Gemälde' akzeptieren und Fotografen sahen in ihnen eine ‚Verfremdung', die in ihren Augen keine Fotos mehr darstellten.“ Zudem wurde seinerzeit diskutiert, ob Fotografien überhaupt Kunst sein könnten.

„Kunst ist eine Botschaft vom Künstler an den Betrachter“

Auf die Frage, was er unter „Kunst“ verstehe, antwortet er, dass alles Kreative Kunst sei. Weiterhin sehe er im kulturhistorischen Zusammenhang Kunst als eine Botschaft, eine Form der Kommunikation des Künstlers an den Betrachter. So versuche er persönlich, den Menschen mit seinen Fotogemälden die Schönheit der Erde wieder zu zeigen und ihre Aufmerksamkeit dafür wieder herzustellen. Eine strikte Grenzziehung zwischen dem, was noch Kunst sei und was nicht mehr, hält er für nicht praktikabel. In diesem Zusammenhang mahnt er auch an, die Bedeutung und den Einfluss von Kunstkritik nicht zu überhöhen, da jeder Betrachter eine ganz eigene Kompetenz und Perspektive aufweist. „Meiner Meinung nach sollte man letztendlich dem Betrachter die Mündigkeit zugestehen, selbst entscheiden zu können, was er als Kunst sieht beziehungsweise sehen möchte oder was nicht.“

Das Ende seiner künstlerischen Pause sei 2001 in New York während eines Besuches bei Freunden besiegelt worden. Nachdem er auf die Frage, warum er denn aufgehört hätte, nach eigener Aussage zwei Tage lang keine Antwort gefunden hatte, legte er sich wieder eine Fotokamera zu, ging durch die Straßen New Yorks und begann wieder mit der Fotografie. Auch als er wieder zurück in Deutschland war, fotografierte er weiter. „Zunächst musste ich mir ja wieder mein ‚Arbeitsmaterial', also Fotos, beschaffen.“ Neben dem Finden von geeigneten Motiven und dem Fotografieren sei vor allem das Archivieren der Bilder sehr zeitaufwendig gewesen, so Danieli. Erst danach konnte er seine Technik, verschiedene Drucktechniken, Masken, Farbmischungen und den unterschiedlichsten Papierarten zu verwenden, weiter verfeinern und verbessern.

Der Liebe wegen in Marburg gelandet

Als Ergebnis dieser Arbeit konnte man unter Anderem diesen April im Marburger Rathaus seine Ausstellung "Inspiration Natur & Mensch" bewundern. Nach Marburg sei er „der Liebe wegen“ gekommen, wie er schmunzelnd meint. Bei einem Besuch Anfang letzten Jahres in Marburg lernte er seine Lebensgefährtin Chava kennen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, so Danieli. Auch die Stadt und ihr Umland hätten es ihm angetan, nicht nur einige Blumen und Pflanzen erinnerten ihn an seinen Geburtsort Tivon. Neben der Natur genieße er die für seine Arbeit nötige Ruhe, die ihm eine Großstadt nicht bieten könne.

Auf die Frage hin nach weiteren Ausstellungen zeigt sich Danieli sehr erfreut über die positive Resonanz seiner Fotogemälde bei den Ausstellungsbesuchern. Für dieses Jahr sind bereits weitere Ausstellungen geplant, in denen er künstlerische Schwerpunkte setzen wolle. Nach der Ausstellung im Marburger Rathaus, in der er seine „gesamte Palette, von impressionistischen bis hin zu vollkommen abstrakten Motiven“ darstellte, möchte er sich insbesondere dem Impressionismus und seiner persönlichen Interpretation eben dieser Stilrichtung widmen.

Das Interview führte Chava Kieselbach (bearbeitet von Gunnar Fischer)

Uni.schaft dankt Herrn Danieli herzlich für das Interview und für die Bereicherung unseres Magazins Uni.schaft - wie auch der Stadt Marburg. Wir wünschen viel Glück und Erfolg für ihn und seine Lebensgefährtin Chava

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Zuletzt aktualisiert: 2004-07-13 23:55