Die Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie in einer SELBSTDARSTELLUNG

Krise? ... zu überwinden!

„Ole wird immer seltsamer. Ich komm gar nicht mehr an ihn ran.“ Seine Freundin macht sich Sorgen. Er verlässt kaum noch die Wohnung, sitzt die ganze Zeit am Schreibtisch, kriegt aber nichts gebacken. Dabei müsste er die Hausarbeit Ende des Monats abgeben, um sich zum Examen zu melden. Beim Schreiben verliert er den roten Faden, kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, kann nicht mehr zwischen wichtigem und unwichtigen unterscheiden. Wenn man ihn fragt, ob er abends mit in die Kneipe wolle, wird er aggressiv. „Lasst mich endlich in Ruhe. Ich weiß, dass ihr alle was gegen mich habt.“ Seine Freunde spüren, dass etwas nicht stimmt, wissen aber nicht, wie sie Ole helfen können.

Ole selbst kommt sich vor wie immer. Nur die andern bedrängen ihn, sind hinter ihm her. Er hört eine Stimme in seinem Innern, die ihm weismacht, dass die anderen nur neidisch sind auf seine tollen Einsichten und ihn deshalb „ausschalten wollen“. Er hat Angst, eine unglaubliche Angst.

Vielleicht haben Sie bei sich oder in Ihrem Freundes- oder Bekanntenkreis ähnliche Erfahrungen schon einmal gemacht. Gerade in Zeiten, wo viel zusammen kommt: wenn Examensstress drückt oder man neu an der Uni ist, man das erste Mal von zuhause wegkommt, die Freundin Schluss macht, einem alles zu viel wird, kann man an einer Psychose erkranken. Die gewohnten Bewältigungsmechanismen reichen nicht mehr aus. Der Mensch steht vor einem Problemberg, der ihm nicht zu bewältigen erscheint. Er kommt aus dem Gleichgewicht und das Gehirn spielt verrückt. Entgegen der oft verbreiteten Meinung der Unheilbarkeit einer Psychose sind jedoch bei einer frühzeitigen psychotherapeutischen und pharmakologischen Behandlung die Heilungschancen nicht schlecht. Wichtig ist, dass man sich Hilfe holt und nicht denkt, man mutiert zu einem durchgeknallten Monster, wie die an Schizophrenie erkrankten Menschen oft in Presse und Fernsehen dargestellt werden.

Von Maria Spätling


Wenn Sie sich als Betroffener, Angehöriger oder Freund Hilfe holen möchten, können Sie sich an die psychosoziale Beratungsstelle der Bürgerinitiative Sozialpsychiatrie Biegenstr. 7, Tel. 06421 / 176990 wenden.

Internet: http://www.bi-sozialpsychiatrie.de
E-Mail: info@bi-sozialpsychiatrie.de

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Zuletzt aktualisiert: 2005-12-04 19:20