Interkulturelle Konfliktforschung in Marburg

Wo trennen und wo treffen sich Mythos und Realität?

Studentische Initiative mit Zukunft: Der AStA Marburg hat sich von dem Schwerpunkt der Friedens- und Konfliktforschung in Marburg inspirieren lassen und organisiert seit nunmehr einem Jahr öffentliche und eintrittsfreie Veranstaltungsreihen zu internationalen Konfliktlagen. Ein Erfolgskonzept, welches auch in diesem Semester fortgeführt wird. Von Naakow Grant-Hayford und Karoline Weber

Ob Afrika oder Lateinamerika, ob Waffenschmuggel oder die Unterdrückung indigener Gruppen - die Schauplätze von Konflikten, Krisen, Kriegen sind genauso vielfältig wie ihre Charakteristika. Die Berichterstattung in den Medien kann der Einzigartigkeit der verschiedenen Konfliktlagen kaum gerecht werden. Oftmals müssen die Sender ihre Beiträge mit schockierend extremen Bildern untermalen, um das Interesse der Zuschauer zu wecken. Auf die politischen, sozialen, wirtschaftlichen oder kulturellen Hintergründe der einzelnen Konfliktlagen wird nur oberflächlich eingegangen und jeder Bericht nach Möglichkeit so ausgelegt, dass ein größtmögliches Identifikationspotential entsteht. Kurz gesagt: Der Zuschauer braucht ‚Action', man darf ihn nicht mit Inhalt langweilen und sollte jeder Krieg am Besten „wie gewohnt“ aussehen.

Was geschieht aber, wenn man einen Blick hinter die Fernsehbilder und Schlagzeilen wagt? Für eine Auseinandersetzung mit internationalen Problemlagen ist es unabdingbar, sowohl einen adäquaten Einstieg in die Thematik ermöglicht zu bekommen als auch verschiedene Ansätze miteinander vergleichen zu können. Das Referat für Interkulturelle Konfliktforschung des AStA Marburg organisiert nun schon zum dritten Mal eine Veranstaltungsreihe, die diesem Anspruch gerecht werden soll.

Das Konzept sieht wie folgt aus:

  • Renommierte Experten oder engagierte, interessierte Studierende bieten im Rahmen eines Vortrages einen wissenschaftlichen Einblick in ausgewählte Krisenherde und friedenspolitische Fragestellungen

  • Die Besucher können sich anschließend mit Fragen oder inhaltlichen Beiträgen an einer programmatischen Diskussion beteiligen.
  • Auf diese Weise wird ein interaktiver Wissensaustausch ermöglicht, der über die gängigen Klischees und die Reproduktion bedenklichen Halbwissens hinausgeht

Bereits im letzten Semester konnte die Vortragsreihe „AFRIKA GIBT ES NICHT - Ein Aufruf zur Differenzierung“ mehr als siebenhundert Besucher verzeichnen: Schüler, Studierende, Lehrbeauftragte sowie ansässige Interessierte nahmen die Möglichkeit wahr, sich außerhalb der klassischen Lehrveranstaltungen oder TV-Dokumentationen, mit oft thematisierten und doch in gleichem Maße unver-standenen, internationalen Problemlagen auseinander zu setzen. Das Konzept, das Publikum und den meist auch Praxis-erfahrenen Referenten nach dem Vortrag in eine Art Gespräch miteinander zu verwickeln, in dem sowohl offene Fragen geklärt als auch Zusatzinformationen aus dem Publikum aufgegriffen werden, stellt eine Plattform zum Austausch von Wissen dar, die über die Grenzen der universitären Theorien hinausgeht.

Im Wintersemester 05/06 liegt der Schwerpunkt des Referates für Interkulturelle Konfliktforschung auf Konfliktlagen des lateinamerikanischen Kontinents. Im Rahmen der Veranstal-tungsreihe „MACONDO - Lateinamerika zwischen Mythos und Realität“ werden friedens- und konfliktpolitische Problemfelder thematisiert. Insbesondere wird der Frage nachgegangen, inwieweit strukturelle Stabilität durch gewaltsam ausgetragene Konflikte nachhaltig verhindert oder gegebenenfalls durch Maßnahmen der Friedensentwicklung neu erschaffen werden kann. Zudem soll das Verhältnis zwischen dem so genannten „Globalen Norden“ und Lateinamerika in seinen verschiedensten Ausprägungen analysiert und kritisch hinterfragt werden. Ziel bleibt nach wie vor eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Ursachen, Erscheinungsformen und Folgen unter-schiedlichster Konfliktlagen. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt hierbei auf Ansätzen und Möglichkeiten der präventiven Friedenspolitik.

Gemäß dem Motto: Wo vermengen sich in unserer Wahrnehmung Mythos und Realität? soll das mystifizierte Lateinamerika-Bild sachlich differenzierten Betrachtungen weichen.

Mehr Informationen auf den Seiten des AStA-Referats für Interkulturelle Konfliktforschung

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Zuletzt aktualisiert: 2005-12-04 19:26