Das sind ja gute Aussichten ... ein faszinierender Berg ganz in der Nähe

Na, am Wochenende schon was vor? Wie wär´s mit einer Wanderung mit atemberaubendem Panorama? ... Was, du kennst den höchsten Berg im alten Kreise Marburg nicht?!; weißt nicht, wie er heißt und wo er sich befindet? Dann aufgepasst:

Wie heißt der Berg? Wie finde ich ihn?

Der Rimberg befindet sich etwa 15 km nordwestlich von Marburg, hinter dem beschaulichen Dörfchen Caldern. Ein unauffälliger Ringwall unterhalb des Gipfels lässt auf eine alte Befestigungsanlage schließen. Über eine Höhle am Westhang berichtete schon im 12. Jh. ein isländischer Mönch. Mit den beiden vorgelagerten Bergen (zweiköpfiger Feiselberg: 406 und 413 Meter bzw. Hornberg: 460 Meter) bildet der Rimberg das gewaltige Eingangstor zu dem waldreichen hessischen Hinterland. Der Rimberg ist eines der beliebtesten Wander- und Ausflugsziele unserer Region. 497 Meter beträgt die Gipfelhöhe; der Aussichtsturm misst 24 Meter.

Vom Berggipfel hat man eine umfassende und überwältigende Rund- und Fernsicht. An klaren Tagen reicht die Sicht 100 km weit über große Teile des Hessischen Berglandes, so unter anderem. zu dem Feldberg im Taunus, dem Vogelsberg, der Wasserkuppe in der Rhön, dem Eisenberg und Namensvetter Rimberg im Knüll, der Milseburg, dem Hohen Gras im Habichtswald bei Kassel, dem Lützelgebirge und dem Rothaargebirge in Westfalen.

Wie viel Türme gab es?

Der heutige Turm war nicht der erste, den man auf dem Gipfel des Rimberges erbaute. Der erste Turm - ganz aus Eichenholz - wurde am 22. Juli 1900 eingeweiht. Er hielt 25 Jahre. Ein Blitz spaltete eine der 4 Tragsäulen.
Die schlimmsten Folgen für den Turm hatte ein Schneesturm-Unwetter: Der Turm stürzte in der Nacht vom 21. zum 22. November 1971 ein. Damals war es dem Oberhessischen Gebirgsverein finanziell nicht möglich, ihn sofort wieder aufzubauen.
Ein Neubau des Turms wurde erst ins Auge gefasst, als der Großkreis Marburg-Biedenkopf entstanden war. Die Baukosten betrugen 220.000 DM. Der neue Rimberg-Turm ist eine Mischkonstruktion aus Beton, Stahl und Holz; sehr naturfremd, aber recht stabil und mit 24 Metern beachtlich hoch. Am 30. April 1977 fand die Turmweihe statt.

Wie erreiche ich den Turm? Welche Wanderwege gibt es?

Fahre mit dem Bus (RKH-Linie Nr. 5301 ab Bahnhof Marburg, Richtung Biedenkopf) und steige in Caldern aus. Von dort geht´s weiter zu Fuß. Ansonsten nutze dein Fahrrad oder Auto. An der Straße zwischen Caldern und Damshausen gibt es einen Parkplatz. Hinter diesem Parkplatz trifft man auf eine Wegegabel, an der sich eine Holztafel mit dem Wanderweg 1 befindet. Nach einer sanften Rechtskurve kann man schon bald einen schönen Nah- und Fernblick auf Wiesen, Felder, Täler und Höhen in südwestlicher Richtung genießen. Die Wanderung geht weiter entlang zu einer zweiten, fast spitzwinkligen Rechtskurve. Hier, fast auf dem Gipfel angekommen, schaut man hinunter in das landschaftlich sehr reizvolle Kernbachtal, das von bewaldeten Höhen eingeschlossen wird. Der Blick geht weiter über Brungershausen, Warzenbach zum Christenberg. In der Kurvennase entdeckt man Grenzsteine aus dem Jahre 1669, die die Grenze zwischen dem Kurfürstentum Hessen-Kassel und dem Großherzogtum Hessen-Darmstadt markierten. Dort zweigt auch der Wanderweg nach Kernbach und Caldern ab, der für den Rückweg vorgeschlagen wird. Diesen Weg muss auch der Wanderer nehmen, wenn er zur Drachenhöhle will.

Der Oberhessische Gebirgsverein nannte die beiden Hauptwanderwege zum Turm, die durch einen roten Strich bzw. durch einen blauen Punkt gekennzeichnet sind, zu Ehren der beiden Initiatoren des Turmbaus "Heinrich Walter-Weg" und "August Dauber-Weg" (Architekt).

Der sagenumwobene Rimberg

Es verwundert nicht, dass ein von der Natur so vorzüglich ausgezeichneter Berg wie der Rimberg auch eine Rolle in der Sage spielt. Im Volksmunde leben heute noch zwei Sagen, nämlich die vom Riesen auf dem Rimberg und die vom Siegfried dem Drachentöter.

Die Riesensage

Auf dem Rimberg, so berichtet die alte Mär, hauste einst ein gewaltiger Riese. Seine Nachbarn und zugleich Brüder waren der Riese auf dem Weißenstein bei Wehrda und der auf dem Rotenstein, auf dem später das stolze Marburger Schloss erbaut wurde. Der Rimberger und der Weißensteiner Riese besaßen einen gemeinschaftlichen Backofen, der mitten im Felde lag. Wenn sie backen wollten, warfen sie einander mächtige Felsblöcke zu. Das war das Zeichen, dass Holz zum Heizen des Ofens von des Nachbars Burg gebracht werden sollte. Einst warfen die beiden zur gleichen Zeit. Da trafen die Steine in der Luft zusammen und fielen mitten im Felde oberhalb Michelbach zur Erde nieder. Da liegen sie noch heute. Jedem Stein ist eine Riesenhand eingedrückt.

Interessanterweise spielt am Rimberg auch eine Volkserzählung, die unverkennbar in Beziehung zur Siegfriedsage steht. In der deutschen Heldensage steht Folgendes über das sehr alte Siegfriedsmärchen:

Der starke Ferdinand

Es war einmal ein Schmied, der hatte einen Sohn, den er Ferdinand nannte. Erst sieben Jahre alt war er so stark wie der stärkste Mann. Da nahm ihn sein Vater mit in die Schmiede; dort schlug er so kräftig auf den Amboss, dass dieser in der Erde versank und der Hammer zersprang. Der Vater schickte den ungefügen Burschen auf die Wanderschaft.

So kommt er in einen großen Wald und trifft auf einen Mann, der Steine aus der Erde bricht und weit wegschleudert. Sie wandern zusammen und finden einen anderen, der Eichbäume zerreißt.

Die drei ähnlichen Brüder gehen miteinander, bis sie zu einem Schlosse kommen. Sie treten ein und finden überall Überfluss; nur an Nahrung fehlt es. Da beschließen sie, Wild zu schießen und Bruder Steinbrecher erhält den Auftrag, es am Herde zu braten. Kaum ist es gar, da kommt ein graues Männchen. Es bittet um ein Stück Fleisch, das ihm der Bruder Steinbrecher gibt. Aber das Männchen lässt es zu Boden fallen und bittet den Geber, es ihm aufzuheben. Und als sich der gutmütige Steinbrecher danach bückt, springt ihn das graue Männchen auf den Rücken, richtet ihn mit Schlägen so übel zu, dass ihm Hören und Sagen vergeht. Nun erhält der Baumreißer denselben Auftrag mit einer neuen Mahlzeit. Da ihm sein Vorgänger nicht gesagt hat, wie es ihm ergangen ist, spielt ihm das Männchen denselben Streich.

Als aber die Reihe an Ferdinand kommt, ist dieser empört über dessen Unverschämtheit. Daraufhin schleppt er das Männchen zu einem Eichbaum, haut in diesen eine Kerbe und klemmt darin den Bart des Männchens ein, dass es ihm nicht entweichen kann. Dann verzehren die Brüder den Braten. Als sie sich jedoch nach dem Männchen umsehen, ist es verschwunden. Blutspuren aber, die von ihm herrühren, führen sie zu einem Loch, das wie ein Brunnen tief in die Erde führt.

Der Baumreißer und Steinbrecher lassen sich ein Stück in den Brunnen hinab, kehren aber wieder um. Nur Ferdinand geht in die Tiefe, wo er ein helles Licht bemerkt: In einem Gemache sitzen drei Jungfrauen mit fahlen Gesichtern und schmutzig schwarzen Kleidern. Unweit dieser Jungfrauen liegt ein großes Schwert; daneben steht ein Glas mit einem Trank, an dem geschrieben steht: "Wer aus diesem Glas dreimal trinkt, der wird dieses Schwert heben, damit den Drachen erschlagen und die Jungfrauen erlösen."

Ferdinand trinkt. Da stürzt unter ungeheurem Getöse ein siebenköpfiger Drache auf ihn zu. Ferdinand schlägt ihm einen Kopf nach dem anderen ab und schneidet ihm die Zunge heraus.

Die Jungfrauen sind nun erlöst: eine Königstochter und ihre Gespielinnen haben ihre wahre Gestalt wieder bekommen. Von jeder lässt er sich einen Ring und ein Taschentuch geben.

Anschließend verlassen sie alle den Brunnen; Ferdinand gibt den Brüdern ein Zeichen, zuerst die Jungfrauen, dann ihn selbst heraufzuziehen. Als er an die Reihe kommt, ist er misstrauisch und knüpft einen Stein an den Strick. Dieser wird ein Stück emporgezogen, fällt dann aber rasselnd zu Boden. Wie soll er nun wieder ans Tageslicht kommen?

Da erscheint auf einmal das graue Männchen und bietet ihm seine Hilfe an: "Ich will dich hinaufschaffen, wenn du mir versprichst, mir mit deinem Schwerte den Kopf abzuschlagen." Ferdinand sagt zu. Oben angekommen, köpft er das Männchen - plötzlich steht ein schöner Prinz vor ihm, der sofort wieder seinen Augen entschwindet. Seine Kameraden sind jedoch inzwischen mit den Jungfrauen entwichen. Da wandert er in die Welt und kommt in eine Stadt, wo die Königstochter mit einem der beiden Befreier, die sie vom Drachen erlösten, vermählt werden soll. Ferdinand geht aufs Schloss und übergibt dem König Ring, Taschentuch und Drachenzunge zu seiner Erkennung. Daraufhin lässt der König die Betrüger von vier Ochsen zerreißen und gibt Ferdinand die Tochter. Sie leben beide glücklich miteinander.

Noch jetzt sind die Reste der alten Erzählung vom starken Ferdinand vorhanden: An der Nordostseite des Rimberges wird eine Felsspalte als der Schauplatz bezeichnet, wo der fürchterliche Drache gehaust hat und von Ferdinand erlegt worden ist.
Die Stelle ist nicht leicht zu finden und ist ziemlich schwer zugänglich, wie das zu der Höhle eines Untiers passt. Auch beim Abstieg wird sich mancher Besucher dieser Höhle nicht anders helfen können, als dass er sich auf dem Hosenboden hinunter rutschen lässt.
Gerade diese Unzugänglichkeit, ja geradezu Gefährlichkeit des geheimnisvollen Ortes weckt die Aufmerksamkeit des Besuchers. Er stellt daher auch einen besonderen Anziehungspunkt für Kinder dar.

Wegbeschreibung zur Höhle: Wegzeichen: Roter Strich. Vom Turm halblinks hinabgehen, nach 2 min Grenzstein, von dem 4 Wege auslaufen, dort Richtung Caldern: Zickzackweg folgen, der in 12 min auf die Heide auf dem Mittelberg im Sattel zwischen Rimberg und Feiselberg führt, oberhalb der Heide beim Schild aufwärts, nach 4 min: hochaufgetürmte Felsmassen und 2 min auf steinigem, holprigen Wege: Erdloch, wo der Drache hauste.

Wenn du dort gewesen bist, so berichte uns über den Drachen: ob du ihm begegnet bist bzw. wie er ausgesehen hat. Darüber freut sich das Uni.schaft-Team sowie die Autorin:

Von Monika Rapp

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Zuletzt aktualisiert: 2004-05-31 21:20