Das Musical in einer Aufführung von "OnStage e.V."

Hair

Ab und zu geschieht es, dass Klassiker der Musik- und Theatergeschichte wieder entdeckt und neu aufgeführt werden. Verbindet sich mit diesem auch noch eine message , so wird es von manchen umso lieber aufgegriffen - wie auch beim Musical "Hair". In Marburg gründete sich jüngst eigens zu diesem Zweck "OnStage e.V." als Verein, der sich der Aufführung des Musicals verschrieben hat.

Hair immer noch ein Thema?

Das Stück, das 1967 uraufgeführt und 1968 in endgültiger Fassung am Broadway Premiere feierte, stellt die Lebensweise der Hippiegeneration dar, die sich nicht mit der amerikanischen, westlichen Gesellschaft identifizieren kann. Am Ende der Sechziger Jahre ist es besonders der Vietnamkrieg, den die Hippiebewegung thematisiert. So geht es denn auch in dieser Geschichte um die Suche nach Identität und das Lebensgefühl der Hippie-Bewegung. Verquickt mit Drogenexzessen und freier Liebe wird hier sozusagen der Phänotyp des Hippie dargestellt - ob klischeehaft oder wahrheitsgetreu, das bleibt die Frage.

Wieso also führt man im Jahr 2004 über dreißig Jahre nach Ende des Vietnamkrieges und zweifelsfrei lange nach dem Ende der Hippiebewegung dieses Musical auf? Neben der Musik scheint es vor allem die Begeisterung für gesellschaftlich non-konforme Lebensweise zu sein, die die jungen Darsteller und Musiker zu solch einem Engagement hinreißen ließ.

Vom Musical zum Verein

Was im Januar 2003 mit Infoveranstaltungen und ersten Castings begann, entwickelte sich im Laufe der ersten Monate immer mehr zu einem Projekt, das zwar mehr und mehr Zeit in Anspruch nahm, aber auch die Begeisterung der Mitwirkenden fand. Obwohl der ursprüngliche Initiator, Kay Franzke, das Projekt nach interpersonellen Komplikationen verließ und immer wieder Mitwirkende das Handtuch warfen, bildete sich ein Nukleus von Hochmotivierten, die das Projekt vorantrieben.

Im Mai 2003 kam es dann zur Gründung des "OnStage e.V.", der sich der Förderung von Kunst und Kultur in Form von Musik, Schauspiel und Tanz verschrieben hat. Viele Proben, zum Teil mehrmals wöchentlich, nahm die Truppe auf sich, um dem Ziel der Aufführung näher zu kommen. Dass sie sich dabei auch untereinander näher kamen, das spürte man bei den Auftritten vom 2. 7. Mai in der Bettina-von-Arnim-Schule, wo dieses Ensemble ein Stück präsentierte, dass vor allem von seiner Gruppendynamik lebt.

Es gab allerdings auch immer wieder Schwierigkeiten, wie die zweite Vorsitzende Marie Schachermayer bestätigt. So stellten sich einige Schwierigkeiten beim Erlangen der Aufführungslizenz heraus, die an viele Bedingungen geknüpft ist. Es war zum Beispiel nicht gestattet, Teile zu streichen oder zu verändern, so dass das komplette Musical aufgeführt werden musste. Nicht nur das musikalische Engagement war zeitraubend. Die Organisation einer Gruppe von solcher Größe ist aufwendig und nicht immer einfach, weshalb es kaum verwundert, wenn einige Mitwirkende Abstriche bei ihrem Studium machen mussten.

Die "Hair"-Besetzung bestand zum Zeitpunkt der Aufführung aus 37 Darstellern und Musikern, wovon ein Großteil Studierende sind. Mit der Unterstützung und dem Sponsoring durch Marburger Firmen, der Uni und anderen Förderern gelang es schließlich schuldenfrei aus den Aufführungen herauszugehen sicherlich keine Selbstverständlichkeit bei den hohen Kosten, die eine Aufführung mit sich bringt.

Mit der erfolgreichen Inszenierung von "Hair" soll denn auch nicht Schluss sein. Der Verein existiert weiter und, so Marie Schachermayer, wird sich weiteren Projekten annehmen ob "Hair" oder einem anderen Musical. Außerdem ist der Verein weiter offen für Interessierte, die sich mit Ideen und Mitarbeit konstruktiv einbringen wollen.

von Enrico Böhm

Kontakt:


www.onstage-ev.de.vu

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Zuletzt aktualisiert: 2004-05-31 21:11