Lange Nacht der Museen. Berlin. 31 Januar 2004

Trotz Regen und Sturm ein Publikummagnet

Zum 15-ten Mal fand in Berlin das Event "Lange Nacht" der Museen "statt. Unter dem Motto "Carne vale" (lat. Abschied vom Fleisch) boten 80 Museen eine abwechslungsreiche Kultur bis zwei Uhr früh. Ein persönlicher Erlebnisbericht von Barbara Zelek.

Die "Lange Nacht der Museen" ist eine Berliner Erfindung. Sie wird bereits seit sieben Jahren regelmäßig veranstaltet und wurde zum Exportschlager für andere europäische Metropolen wie Paris, Amsterdam oder Reykjavik. Bemerkenswert sind das Event und die Gründe seines andauernden Erfolgs im In- und Ausland. Worin besteht sein Zauber, der tausende von Menschen mitten in der Nacht aus ihrem warmen Zuhause trotz Regen und Sturm zu sich lockt?

Für jede Stimmung ein Ort

Wer diesmal dabei sein wollte, fand für jede Stimmung einen passenden Ort. Das Angebot reichte von einigen traditionellen Orten, wie zum Beispiel Deutsches Historischs Museum, Alte und Neue Nationalgalerie, Schloss Charlottenburg, über sehr interessante, thematisch orientierte Veranstaltungen, wie man sie unter anderem im Filmmuseum, im Technikmuseum, im Jüdischen Museum oder im Iberoamerikanischen Institut finden konnte. Die Palette reichte bis hin zu seltsamen aber sehr erfrischenden Angeboten wie: Schwules Museum oder Museum der Unerhörten Dinge. Erstmals nahmen in diesem Jahr teil: die Gipsformerei des Staatlichen Museums in Charlottenburg, das Tempelhof Museum, die St. Elisabeth-Kirche und das Shell-Haus. Nach der Durchsicht der zahlreichen Angebote wird man jedoch schnell über die Realität informiert. Bei der letzten Veranstaltung konnte der durchschnittliche Besucher nur 5,1 von ca. 80 möglichen Programmpunkten realisieren.

Keine Langweile in Museumsräumen

Das Besondere bei "Lange Nacht der Museen" lag darin, dass sich die Museen nicht nur auf klassische Arten der Präsentation beschränkten, sondern jeweils ein individuell einzigartiges Rahmenprogramm vorbereiteten. Dieses sollte die potentiellen Teilnehmer zum Besuch animieren. Am Kulturforum lief beispielsweise nach einem venezianischen Vorbild ein buntes Karnevalstreiben ab. In der Kunstbibliothek präsentierte sich eine studentische Modeklasse mit ihrem Projekt "Karikatur in der Mode". Die Alte Nationalgalerie war dagegen durch Groß-projektionen ganz in Farbe getaucht. Unter den Sonderdarbietungen fand man ebenfalls Tanz-Performances, Multimediale Installationen, Filme, Lesungen und Konzerte.

Es regnet. Macht nix!

Da ich gerade an dem Wochenende in Berlin war und zahlreiche gute Erfahrungsbereiche über dieses Event hörte, entschloss ich mich, diese Erfahrung selbst zu machen. Die Vielfalt an Angeboten war sehr anziehend; organisatorisch schien alles perfekt zu sein 60 Shuttle-Busse, die in 10 Minuten Takt auf unter-schiedlichen Routen die Häuser und Ausstellungen verbinden sollen, standen den Besuchern zur Verfügung und schließlich, nicht ganz ohne Bedeutung, der Preis, denn dieser betrug 8 € für Studierende. Das Kombiticket berechtigte zum Besuch aller beteiligten Museen und Ausstellungen sowie zur Benutzung der Shuttle-Busse und der öffentlichen Verkehrsmittel. Nach einer guten Stunde, in der ich das Programmheft gelesen habe, entwickelte ich anhand meiner persönlichen Prioritäten einen Plan. Angetrieben von der Neugierde, habe ich mich nicht mal von dem heftigen Regen abschrecken lassen, der mich vom Beginn an begleitete. Nun war es soweit, der Bus der Route 2 traf an und jeder sicherte sich mit Erleichterung einen Platz. Erstaunlicherweise sah ich um mich herum sowohl junge Leute als auch Eltern mit Kindern und einige Senioren, alle hoch motiviert mit ihren eigenen Museumsprogrammen für diese Nacht. Mit jeder Zwischenstation füllte sich der Bus mit weiteren Museumbegeisterten, so dass es in Kürze zu einer gnadenlosen Überfüllung kam. Auf die ersten Punkte meines Planes musste ich verzichten, da sich während der Fahrt herausstellte, dass mein Sitzplatz zwar sehr gemütlich, jedoch zu weit von der Ausgangstür war, um diese rechtzeitig passieren zu können. Schnell wurde mir klar, dass ich dringend meine Besuchsstrategie von Quantität auf Qualität umstellen muss. Dieses hatte zur Folge, dass ich auf einige ursprünglich geplante Ereignisse verzichten musste, dafür aber umso mehr Zeit gewann, um die übrig gebliebenen in vollen Zügen zu genießen.

Reich an Erfahrung weiß ich nun, dass man ein realistisches Programm unter Berücksichtigung der Entfernung zwischen den Museen ausarbeiten muss und sich nicht unbedingt auf den Shuttle-Bus fixieren sollte.

Eines muss man positiv anmerken: trotz des ungünstigen Wetters und der vielen Beteiligten herrschte kein Chaos. Der reibungslose Ablauf der "Lange Nacht" wurde durch den Einsatz vieler Helfer und Begleiter gewährleistet. An dieser Stelle möchte ich mich bei ihnen herzlich für Engagement, Freundlichkeit und vor allem Geduld bedanken. Sie haben eine wirklich tolle Arbeit geleistet.

Der Tag danach

Die Berliner Morgenpost berichtete am nächsten Tag, dass insgesamt 150.000 Besucher an der diesjährigen Veranstaltung teilgenommen haben. Als besondere Anziehungspunkte erwiesen sich das Kulturforum, die Neue Nationalgalerie, der Pei-Bau sowie der Berliner Dom, der allein mehr als 13.000 Besucher anlockte. Im Vergleich mit der letzten "Lange Nacht" waren die Besucher länger in den einzelnen Museen geblieben und weniger herumgefahren. Tja, das war wohl das Wetter .

Die nächste "Lange Nacht" ist in Berlin für den 28. August geplant. Lassen wir uns also im Sommer unabhängig davon, ob es in Berlin oder in einer anderen Museumsstadt sein wird, von der Kultur mit Pop-Akzenten verwöhnen. Es wird sich 100-prozentig lohnen. Speziell für diejenigen, denen bisher das Museum selbst zu nüchtern erschien.

Basia Zelek
Druckversion zum Seitenanfang


Zuletzt aktualisiert: 2004-05-31 21:25