Streiken heißt aktiv sein

- Arbeitskreise statt Vorlesungen in der PhilFak -

Ein Teil der Philfak ist besetzt, studentische Demonstranten ziehen lautstark durch Marburg, veranstalten Laternenumzüge und aus einigen Fenstern hängen Banner mit Parolen gegen die Regierungspläne von Koch. Das Wort Studentenstreik kommt immer häufiger in den Gesprächen der Bevölkerung vor und ruft sicherlich bei einigen Erinnerungen an frühere Zeiten hervor. Aber was machen die Studierenden genau? Sie haben doch kein Recht zu streiken, oder? Recht hin oder her, sie nehmen es sich einfach. Wichtig dabei ist aber, das Wort „Streik“ nicht falsch zu verstehen. In den Räumlichkeiten der Universität tummeln sich viele streikende Studierende und arbeiten intensiv in verschiedenen Arbeitskreisen. Der besetzte B-Turm und das Foyer der PhilFak, sowie das Streikbüro im Asta-Gang der Mensa sind zentrale Koordinationspunkte für die Arbeitskreise (AKs). Dort kann man sich informieren, die aktuellsten Treffen und Ergebnisse der Gruppen in den Plenumssitzungen erfahren oder aber sich nur auf einen Kaffee zusammensetzen und gemachte Streikerfahrungen austauschen.
So hat sich auch der AK Sozialabbau getroffen und es wurde innerhalb dieser Sitzung der AK Schule ins Leben gerufen. Bei den folgenden Treffen dieses neuen AK´s wurde der Schwerpunkt gesetzt, die Informationen über die Vorhaben der Landesregierung und den studentischen Streik in die Schulen hineinzugeben. Gerade in den oberen Jahrgängen der Gymnasien und Berufsschulen in Marburg sollte dadurch ein „Info-Input“ entstehen, welcher zu Diskussionen innerhalb des Unterrichts anregen soll, aber auch zu selbstorganisierten Aktionen führen kann. Die Teilnehmer des Arbeitskreises finden es sehr wichtig über die Problematik der bevorstehenden Kürzungen und vor allem über deren Auswirkungen aufzuklären. Innerhalb des AK´s wurde die Arbeit, an die einzelnen Schulen zu gehen, aufgeteilt und einen Tag später zogen wir los und diskutierten mit den Direktoren der Schulen, um die Erlaubnis zu bekommen, in die Klassen gehen zu dürfen.
Der Erfolg war sehr unterschiedlich. Einige Lehrer waren begeistert und wir durften etwas Zeit ihres Unterrichts für unsere Aufklärung in Anspruch nehmen, andere wiederum standen der Sache sehr skeptisch gegenüber. Mittlerweile haben wir mit vielen Schülern geredet, sind dabei auf ein reges Interesse gestoßen und konnten auch einige mobilisieren, zur Demonstration nach Wiesbaden mitzukommen. Wichtig ist, dass die Schüler aus den Diskussionen über die zukünftigen Studiengebühren nicht herausgehalten werden. Es wird sie noch mehr betreffen, als die derzeitigen Studenten. Deshalb haben wir auch den Stadtschülerrat mit in unsere Arbeit einbezogen. Zunächst wollten wir nur Informationen geben, sind dann aber auf großes Interesse und einige selbstgeplante Ideen gestoßen, so dass wir unsere Unterstützung bei der Umsetzung der einzelnen Aktionen angeboten haben. Es soll in diesem Bereich eine Zusammenarbeit zwischen den Schülern und den Studierenden entstehen, die sich in weiterer Aufklärung in den Schulen, Teilnahme an Diskussionsveranstaltungen und gemeinsamen öffentlichen Aktionen äußern wird. Dieser AK Schule ist zwar im Rahmen des Streiks entstanden, wird aber hoffentlich auch nach dem Ende des Streikes eine anhaltende Zusammenarbeit weiterführen.

Verena Oetzmann

Weitere Informationen: www.education-project.de

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Zuletzt aktualisiert: 2004-06-12 15:11