Mensch: immer noch da

Das Musikstück Mensch, mit dem Herbert Grönemeyer im letzten Jahr Deutschland bewegte, ist aus den Charts gewichen, aber in den Menschen geblieben. Die Faszination dieses Liedes ist ungebrochen - ganz anders, als dies bei der Mehrzahl der Musikproduktionen der Fall ist, die aufsteigen und dann fallen, ohne jedoch erkennbare Spuren zu hinterlassen.

Man könnte versuchen zu analysieren, was das Geheimnis des Menschen ist, das es gleichsam zum Seelenwurm werden ließ. Eine solche Sezierung auf textlichem und musikalischem Wege würde aber zwangsläufig scheitern, weil es hier um mehr geht als um gut gedichtete Verse, eine eingängige Tonabfolge oder ein professionelles Arrangement. Vielmehr ist es wohl Herbert Grönemeyer, den wir in dem Stück erkennen, den Menschen, der seinen Weg geht und seinem Schicksal begegnet, der dies gleichzeitig oder im Nachhinein in Musik ummünzt auf eine Weise, die sowohl seine leidenschaftliche Offenheit als auch seine literarischen und musikalischen Fähigkeiten zum Ausdruck bringt. Seine Beobachtungen und Erfahrungen sind zugleich aber auch ein Spiegel unserer eigenen Stärken und Schwächen, die wir in den gut vier Minuten und danach, treffend umschrieben, deutlich erkennen und uns darauf einlassen können, zuzuhören und nachzusinnen.

Und das wird wahrscheinlich auch so bleiben, in größer werdenden, regelmäßigen Abständen. Die Essenz dessen, was Grönemeyer da durch die Empfänger in die Menschen gesendet hat, wird sie nie mehr verlassen.

Jan Opielka

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Zuletzt aktualisiert: 2003-07-09 4:37