Matrix Reloaded — Eine Filmkritik

Im Jahr 1999 kommt Matrix in die Kinos. Es wird ein Riesenerfolg. Viele KritikerInnen loben dieses Meisterwerk der Wachowski-Brüder, die das Drehbuch schrieben und Regie führten. Es wurde viel über die Aussage des Films diskutiert, dass die Menschheit unbewußt versklavt und in Abhängigkeit und unter Kontrolle von Maschinen und Computern ihr Leben fristet. Die im Film angeschnittene Idee von der Erlösung der versklavten Menschheit durch Neo, ließ Interpretationen laut werden, inwieweit der Film religiöse Züge habe. Weiterhin gab es viel Lob für die tollen Kameraführungen, wie den genialen Bullettime, welcher dann für einige andere Filme wie z.B. bei der Komödie „Scary Movie“ oder der Animation „Shrek“ verwendet wurde.

2003, Matrix Reloaded kommt in die Kinos und fast alle wollen diesen Film sehen, denn sie fragen sich wie die Geschichte wohl weiter erzählt wird und jeder hat dabei so seine eigenen Erwartungen. Die einen fordern, dass der Film noch mehr die Thematik des ersten Teils vertieft und die anderen erwarten nun mal tolle Actionsequenzen. Manche erwarten auch beides. Doch was zeigen uns die Wachowski-Brüder? Mehr Action auf jeden Fall, einen langen Kampf des Erlösers Neo (Keanu Reeves) mit hunderten von Exemplaren des „Agent Smith“ (Hugo Weaving), einen weiteren Kampf Neos gegen den Wächter des Orakels. Weiter lassen sie uns Teil haben an einem Kampf zwischen Bösewichtern aus der Matrix und Neo, Morpheus (Laurence Fishburne) und Trinity (Carrie-Anne Moss), der sich in eine fünfzehnminütige, rasante Verfolgungsjagd auf dem Highway entwickelt. Mit einer wunderbaren Kameraführung kann der Zuschauer hinter den Autos herjagen. Spätestens in dieser Szene wird der Actionhungrige mit guter Nahrung versorgt. Aber auch mit den Effekten kann man unzufrieden sein, denn beim Kampf des Agenten Smith und seinen Duplikaten gegen Neo, erkennt der Zuschauer, dass es sich um eine rein animierte Szene handelt und nicht um echte Schauspieler. Verglichen mit dem ersten Teil ist der Spannungsaufbau hin zu einer Actionszene nicht mehr so gelungen vollzogen und die Überleitungen sind nicht mehr so ausgereift, was einen großen Unterschied aufzeigt zwischen den beiden Filmen.

Nun, zur Tiefe des Films und damit zur Frage, ob der andere Teil der Erwartungen durch das Nachfolgewerk befriedigt wird. Die Wachowski-Brüder haben solange an den Spezialeffekten gearbeitet, dass sie dem Film leider nicht die nötige „Tiefe“ verliehen haben. Zu Beginn des Films wird dem Zuschauer die Stadt Zion gezeigt, in der die einzigen freien Menschen leben, die nicht an die Matrix angeschlossen sind. In dieser trifft Neo auf den Senator. Es folgt eine Unterhaltung darüber, dass selbst die Menschen, die in Zion frei leben, abhängig von Maschinen und Computern sind. Dabei erfährt man viel über die Gedanken des Senators, doch die Gedanken von Neo werden in den Hintergrund gerückt. Wir erfahren nur durch seine Träume, dass auch ihn Ängste plagen, so z.B. davor, seine Liebe in Gestalt seiner Freundin Trinity verlieren zu können, da sie im Traum von einem Agenten der Matrix erschossen wird.

Doch ist dies nur ein Traum oder ein Einblick in die Zukunft? Das Orakel (Gloria Foster) kann ihm auf diese Frage eine Antwort geben. Er hat die Entscheidung schon gefällt, was passieren soll, er muss nur noch verstehen, warum. Doch leider lässt sich auch hier kaum eine charakterliche Entwicklung des Hauptdarstellers, Neo, erkennen. Erst zum Schluss sehen wir, dass er eine neue Fähigkeit entdeckt, mit der er gegen die Wächter kämpfen kann. Diese ist wichtig für die Rettung der Stadt Zions, die von 250.000 Wächtern umzingelt ist und bedroht, durch diese Kämpfer der Matrix getötet zu werden. Doch ob die Stadt gerettet werden kann, dies wird im Film nicht verraten. Im November kommt der dritte Teil in die Kinos und darin ist bestimmt des Rätsels Lösung enthalten.

Darin liegt auch ein Problem der Beurteilung dieser einzelnen Episoden der Trilogie. Der erste Teil ist als ein Ganzes zu sehen. Einzelne Handlungsstränge, die begonnen wurden, wurden fast alle zu Ende erzählt, außer jener, wie Neo die Menschen aus der Matrix erlösen kann. Aber auch im zweiten Teil wird auf diese Frage keine abschließende Antwort geliefert. Im Gegenteil, es werden noch andere Fragen aufgeworfen. So kann man den zweiten Teil nicht als etwas abgeschlossenes betrachten. So muss man erst den dritten Teil sehen, um sich ein endgültiges Bild über den zweiten Teil machen zu können.

Ein weiterer Aspekt, der beim ersten Teil eine wichtige Rolle gespielt hat, waren die religiösen Akzente, die der Film in sich trägt. Beim zweiten Teil findet man, wenn man denn möchte, solche Gesichtspunkte auch, wie z.B. in der Stadt Zion, wo Morpheus eine Rede an die Bewohner hält, in der er sagt, dass Zion keine Angst vor dem Feind haben solle. Woraufhin die Masse mit einem Tanz beginnt, der dem Gegner zeigen soll, dass sie wirklich keine Angst haben. Eine fragwürdige Szene. Parallel dazu werden Neo und Trinitiy bei der „schönsten Sache der Welt“ gezeigt. Die meisten Kritiker äußern, und ich glaube ich muss mich ihnen anschließen, wohl eine der schlechteren Darstellungen eines liebenden Paares. Es fehlt die Leidenschaft. Religiöse Bedeutung besitzt auch der Ort, an dem die Rede gehalten wird, denn in der Bibel ist Zion das Ziel des erlösten Volkes, so auch hier im Film. Aber zurück zu Morpheus. In dieser beschriebenen Rede wirkt er wie ein Prophet, der zu dem im Exil lebenden Volk spricht, dass sie sich nicht zu fürchten brauchen. Doch wenn man genau hinschaut, wird einen zum Schluss klar, dass alle religiösen Mythen, die im ersten Teil aufgeworfen worden sind, wie zum Beispiel dieser, dass Neo die Menschheit aus der Matrix befreien kann, in diesem Teil der Trilogie widerlegt werden. Es findet eine „Entmystifizierung“ statt, denn in dieser Episode ist Neo nicht in der Lage, die Rettung zu vollziehen. Im ersten Teil von Matrix lernen wir nur Protagonisten kennen, die an Neo als den Erlöser glauben, in Matrix Reloaded sind nicht alle vom Erlöser überzeugt. Auch in unserer Welt sind nicht alle der Meinung, dass es Gott und Jesus gibt bzw. gab. Somit spiegelt der zweite Teil die ungläubige Seite der Menschheit wider.

Abschließend ist festzustellen, dass die Fans, die Effekte und Action sehen wollen, mit dem Ergebnis recht zufrieden sein können. Der andere Teil der Zuschauer geht höchst wahrscheinlich ein wenig unbefriedigt aus dem Kino, denn die Geschichte ist nicht zu Ende erzählt und somit einiges noch gar nicht so recht einschätzbar. Wiederum werden Andere wohl enttäuscht sein, dass der zweite Teil nicht im selben Stil wie der erste ist.

Auch findet eine Schwerpunktverlagerung statt. Es ist im ersten Film so, dass man dem Erlöser aus der Matrix abkoppelt und ihm seine Aufgabe und die reale Welt näher bringt. Im zweiten Teil versucht er, die Menschen aus der Matrix heraus zu retten, erkennt aber, dass er es auf dem vorgegebenem Weg des Orakels und Architekten der Matrix, dem er beim Showdown begegnet, nicht bewältigen kann. Nun müssen auch die Bewohner Zions von Neo gerettet werden, ob es ihm gelingt, werden wir wohl im dritten Teil erfahren. Doch mein Tipp ist, dass er es schafft, denn er ist ein Held und Helden scheitern letztlich nie.

Agnes Kaplanek

Weitere Informationen:

Matrix Reloaded. USA 2002.
Drehbuch und Regie: Andy und Larry Wachowski.
Darsteller: Keanu Reeves, Laurence Fishburne, Carrie- Anne Moss, Hugo Weaving, Jada Pinkett-Smith, Gloria Foster.
Produktion: Silver Pictures, Village Roadshow Pictures, NPV Entertainment, Warner Bros.

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Zuletzt aktualisiert: 2003-07-09 17:06