„Love is in the air“ in Marco Kreuzpaintners Debütfilm "Ganz und Gar"

Ja, wenn die Liebe erst einmal in der Luft ist... . Manchmal jedoch trägt der Wind die Liebe davon, ohne dass sie bei der, für sie bestimmten Person, ankommt. So passiert es beinahe Lisa (Mira Bartuschek) und Torge (David Rott), aber nur beinahe. Vor kurzem nur Freunde in einer Clique und mit anderen Partnern verbandelt, entwickelt sich etwas zwischen ihnen. Am Anfang basiert alles auf einer Wette: Torge wettet mit Micha (Hanno Koffler), dem Ex von Lisa, dass er Lisa rumkriegt. Dabei ist es aber vor allem Torge, der sich etwas beweisen will und Micha vorführen möchte, wie er Lisa hätte in der Beziehung halten können. Seit einem Sturz vom Dach, bei dem er ein Bein verlor, führt Torge einen Krieg gegen sich selbst, der beinahe die Freundschaft zu seinen Kumpels, die er seit dem Sandkasten kennt, zerstört.

What you give is what you get ist vielleicht die Hauptaussage des Filmes. Manchmal genügt es schon, wenig zu geben, um viel zu bekommen. Diese Lektion lernt auch Torge. Man muß sich seinen Gefühlen stellen und ehrlich zu sich und den anderen sein. Diese Aussagen machen den Film nicht zu einem typischen Jugendfilm. Er zeigt zwar ausschließlich junge Gesichter, doch die eben genannte Botschaft richtet sich an Leute allen Alters und Geschlechts.

Die Liebe ist der Liebe Preis

Grandiose Darsteller, allen voran David Rott als Torge (gibt hier sein Leinwanddebüt und bekam für seine Leistung den Max-Ophüls-Preis), bestechen in dem Regiedebüt von Marco Kreuzpaintner durch ihr beeindruckendes Schauspiel. Dabei gelingt es dem Regisseur authentische Emotionen zu vermitteln. Ohne platte Gefühlsduselei, ohne Bäche von Tränen und ohne die klischeehafte Darstellung des ‚ach so armen Behinderten‘, der von jedermann bemitleidet wird, kristallisiert sich heraus, was im Leben wirklich zählt: Liebe und Freundschaft.

Aber auch die Komik kommt nicht zu kurz. Genannt werden soll hier nur Torges Hochzeitsansprache mit anschließendem ‚Verschenken seines Beines‘ als eine der tragisch-komischen Szenen. Auch das männliche Wasserballett kurz vor Ende des Films ist eine Augenweide. Der Film lief leider nur kurze Zeit in Marburg. Solltet Ihr irgendwo die Chance haben ihn zu sehen: Unbedingt anschauen!

Als immer wiederkehrendes Thema zieht sich Robert Palmers Hit „Love is in the air“ durch den Film. In einer Szene fragt Geli (Torges Ex) Micha verzweifelt: „Könnt Ihr Typen es denn nicht ertragen, dass man Euch liebt?“ - Warum muß Liebe immer so schwer sein, wenn sie so einfach sein könnte? Vielleicht gibt uns Schiller die Antwort auf diese Frage, wenn er sagt „Die Liebe ist der Liebe Preis.“

Kirsten Netzow

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Zuletzt aktualisiert: 2003-07-09 17:04