Wahlkampf in der Mensa

Erlebnisbericht vom 18. Juni 03 zur verwirrenden politischen Lage

Vom 01 bis 03 Juli fanden die Wahlen des Senats und des Studierenden-Parlaments an der Philipps-Universität Marburg statt. Uni.schaft-Reporterin Judith Müller-Schoell machte sich in der „heißen Phase“ des Wahlkampfs „on Tour“.

Schlachtfeld des Wahlkampfes ist die Mensa. Standhaftigkeit beweisen die Leute von der Gruppe „d.i.s.s.i.d.e.n.t.“, die mit ihrem Infostand seit Tagen auf der Mensabrücke die hungrigen Studierenden mit trockener geistiger Nahrung begrüßen. Kaum in der Mensa angekommen, ziehen die roten T-Shirts der Jusos die Blicke auf sich. Während die „d.i.s.s.i.d.e.n.t.I.n.n.e.n.“ die „Mehrheit der Studierenden, die sich kaum noch für studentische Belange zu interessieren scheint“ an den Pranger stellen, schreien die Jusos geradezu nach den Stimmen der Studierenden. Wer sich nicht für Politik interessiert, den können vielleicht Gummibärchen überzeugen. Schließlich wissen auf dem Gebiet der Gummibärchen schon die Kinder, dass die roten die besten sind. Ob sich wohl die Liberale Hochschulgruppe auch vom Gummibärchen-Beweis hat überzeugen lassen? Diese Frage stellt sich jedenfalls, wenn man gemütlich beim Essen den Flugzettel der Liberalen aus dem Zettelangebot auf dem Tisch herausgefischt hat. Darin wird ausführlich argumentiert, warum Studiengebühren abzulehnen sind. In roter Tradition erklären sie, dass Studiengebühren sozial ungerecht sind und vor allem die treffen, die während des Studiums einem Nebenjob nachgehen müssen. Ein weiterer Flyer, der die Wahl betrifft, fällt einem ins Auge: Ein Dementi der WirtschaftswissenschaftlerInnen. Sie beschweren sich darüber, dass der RCDS noch heute damit werbe, an diesem Fachbereich ganze Skripte herausgegeben zu haben, obwohl das schon Anfang der 90er Jahre gewesen sei. Damals hatte er sich wohl schon mit der Öffentlichkeitsarbeit verausgabt, denn vom RCDS, wie auch von anderen Gruppen, lässt sich keine Wahlwerbung mehr finden. Aber das macht uns nichts aus. Wir haben aufgegessen und sind für die Wahl gerüstet. Denn noch vom letzten studentischen Wahlkampf ist uns ein Slogan im Ohr geblieben: „Nach dem Essen RCDS wählen nicht vergessen!“ Keine Sorge, so viel können wir uns auch als Teil der satten und politisch uninteressierten Mehrheit noch merken. Andererseits... – sollen wir vielleicht doch lieber ein rotes Bärchen zum Nachtisch wählen. Obwohl die Gelben doch auch fast wie die Roten schmecken....

Judith Müller-Schoell, Soziologie
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Zuletzt aktualisiert: 2003-07-09 16:39